Endlich wachst zusammen, was zusammengehört…

Angesichts der einschneidenden Ereignisse, die dem Iran, durch die Einigung mit „dem Westen“, bevorstehen, habe ich begonnen meine Gedanken zusammen zuschreiben:
Quds-Tag, Isfahan
Tanja fasst in ihren Kommentar zu meinem ersten Text über die Atomverhandlung die bisherige geopolitische Lage gut, jedoch etwas unausgewogen zusammen. Doch was hat sich geändert, dass es jetzt zu einer Einigung kommt?

Quds-Tag, Isfahan

Neben der Bedrohung durch Saudi-Arabien, gehen vom Iran auch immer wieder Aggressionen gegen Israel aus. Wie ernstzunehmen diese sind ist schwer zu beurteilen, bei konservativen Kreisen in der iranischen Bevölkerung sind diese sehr populär.

Quds-Tag, Isfahan
Iranische Mittelstreckenraketen können Israel erreichen. Jedoch käme ein Angriff auf Israel einem Selbstmord gleich. Das Israel in zwischen über ausreichend Atomwaffen fähige U-Boote aus deutscher Produktion verfügt.
Quds-Tag, Isfahan
Der israelische Ministerpräsident Netanjahu sprach von einem Fehler mit historischen Ausmaßen, und meinte damit den Atomdeal und nicht die U-Boote.

Quds-Tag, Isfahan
Aktuell hat Israel andere Probleme, da die Hamas einen Spionagedelphin gefangen genommen hat.

Quds-Tag, Isfahan
Neben der Sicherheit Israels ist das Wachstum der Wirtschaft einer der Grundpfeiler der deutschen und amerikanischen Außenpolitik. Da im Iran seit der Revolution wenig invertiert wurde, ergeben sich großartige Möglichkeiten für Investoren. Dabei ist natürlich eine Öffnung des iranischen Marktes elementar und wird sicher ein Ergebnis der weiteren Verhandlungen sein.

Quds-Tag, Isfahan
Neben der Möglichkeiten für die Wirtschaft hat der Iran auch die größten Erdgasvorräte der Erde. Durch eine Pipeline könnte sich Europa von der energiepolitischen Abhängigkeit zu Russland lösen, die unter Merkel weniger populär ist, als sie unter Schröder war.
Quds-Tag, Isfahan
Quds-Tag, Isfahan
Neben einer Integration des iranischen Erdgas und Erdöl in die europäischen Netze wäre auch eine verstärkte Annäherung an China und Russland zum Beispiel durch die Aufnahme in den neuen Ostblock, in die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit möglich. Quds-Tag, Isfahan
Mich hat erstaunt, dass es zwischen dem Iran und den USA viele Ähnlichkeiten gibt. In beiden Ländern sind die Menschen sehr gastfreundlich. Es gibt deutlich mehr religiöse Menschen in den USA und im Iran als in Norddeutschland. In beiden Ländern ist es wichtig zu zeigen, was man hat und entsprechend dicke, neue Autos zu fahren. Beide Länder sind Autonationen mit günstigem Benzin. Beide Länder bezeichnen sich selbst als Republik und Demokratie, obwohl es einen starken Führerkult gibt. Es gibt viele reiche und sehr viele arme Menschen und die herrschende Klasse hat wenig Kontakt zu den Menschen. Beide Länder müssten sich sehr gut verstehen.

 

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Quds-Day: Der israelkritische Badespaß

Ich habe mir vorgenommen kein kulturelles Event im Iran zu verpassen. Am 10. July war al-Quds-Day.
Quds-Tag, Isfahan

Der Quds-Tag findet am letzten Freitag im Ramadan statt. An diesem Tag wird in allen iranischen Städten auf die Ungerechtigkeit in Palästina hingewiesen.
Quds-Tag, Isfahan

In Isfahan führte ein Sternmarsch aus allen Ecken der Stadt zum Iman Khomeini Platz. Der zentrale Platz jeder iranischen Stadt ist nach Iman Khomeini benannt.
Quds-Tag, Isfahan

Demonstriert wurde gegen Israel, die USA und für den Führer.
Badespaß am Quds-Tag, Isfahan

Im Iran für die Atomenergie. In Deutschland gegen die Kernkraft.
Badespaß am Quds-Tag, Isfahan
Badespaß am Quds-Tag, Isfahan

Iman Khomeini Platz wurde ausgiebig gebadet.
Badespaß am Quds-Tag, Isfahan

Für die Abkühlung der Erwachsenen sorgte die Feuerwehr…
Quds-Tag, Isfahan

Kein Tropfen des kühlen Nass darf im Ramadan verschluckt werden…
Quds-Tag, Isfahan

…und vor den aufgestellten Kühlern sammelten sich die Menschen…
Quds-Tag, Isfahan

…um weisen Worten zu lauschen.
Quds-Tag, Isfahan

Erstaunlich finde ich, dass es im Iran wie auch zum Beispiel in Griechenland, als die Regierung noch zum Wohle der Waehler gearbeitet hat, Demonstrationen für die Regierung gibt. In Deutschland wird nur gegen die Regierung demonstriert, irgend etwas macht unsere Regierung falsch.Wenn in Deutschland überhaupt demonstriert wird, wir scheinen diese Phase überwunden zu haben.

Eine Bombe sie alle zu knechten, ….

Warum kam es über Jahre zu keine Annäherung zwischen „dem Westen“ und dem Iran? Worum ging es bei den Atomverhandlungen? Haben die Amerikaner tatsächlich Angst vor der iranischen Bombe? Welche möglichen Konsequenzen hat die Einigung zwischen den USA und dem Iran? Wie wird sich der Iran verändern?
Angesichts der einschneidenden Ereignisse, die dem Iran bevorstehen, habe ich begonnen meine Gedanken zusammen zuschreiben.

Freitagsmoschee YazdDie Gefahr der iranischen Bombe geht vor allem von Saudi-Arabien aus. Die Gefahr besteht in einem Wettrüsten in der Region, die durch die Dauerrivalität zwischen dem Königreich Saudi Arabien und der Islamischen Republik Iran gekennzeichnet ist. Um diese Rivalität zu verstehen, kann es hilfreich sein, das offizielle Radioprogramm des Iran in deutscher Sprache zu verfolgen. Dort wird neben der täglichen Koranlesung mehr über die Saudis als über die „Zionisten“ hergezogen. Yazd
Neben der militärischen Vormachtstellung in der Region hat der Konflikt auch wirtschaftliche und religiöse Wurzeln. In der Region hängt das Einkommen der Staaten und der Machterhalt der herrschenden Kreise von den Einnahmen aus dem Verkauf von Erdöl und Erdgas ab. Bei einem zu niedrigen Preis werden die Staatshaushalte defizitär und das Wohlfahrtsprogramm für die Bevölkerung muss auf mittlere Sicht reduziert werden. Diese Gefahr wird in den nächsten Wachsen, da in den arabischen Ländern die Geburtenraten sehr hoch sind und im Iran die Bevölkerung sehr jung ist (bei niedrigerer Geburtenrate).

IsfahanMit seinen gigantischen Barreserven hat Saudi-Arabien im letzten Jahr versucht, über die Manipulation des Öl-Preises, die Kontrolle über den Markt zu behalten. Dabei ging es vor allem darum die amerikanische Frakingblase platzen zu lassen. Yazd

Die religiöse Frontstellung zwischen Saudi-Arabien und dem Iran zieht sich entlang der Spaltung zwischen Sunniten und Schiiten. Saudi-Arabien mit den religiösen Heiligtümern von Mekka und Medina sieht sich als dessen Schutzmacht. Dem Entgegen steht der Iran als weltweit größtes schiitisches Land. Der Iran unterstützt Schiiten in der Welt. Als Beispiel sei die Hisbolla im Libanon (eine Ausgründung der iranischen Revolutionsgarden), die Schiiten im Jemen oder im Irak genannt. Die iranische Armee schützt aktiv die Schiiten im Irak vor dem IS.
YazdAuf der anderen Seite betreibt Riad eine Einkesselungspolitik gegenüber dem Iran. Das Eingreifen in den jemenitischen Bürgerkrieg gegen die dortigen Schiiten richtet sich ebenso gegen den Iran, es wird versucht einen dritten Stellvertreterkrieg neben dem Irak und dem Ölpreis zu eröffnen. Für das Eingreifen im Jemen hat sich Saudi-Arabien, der Unterstützung der iranischen Nachbarn Turkmenistan, Türkei und Pakistan versichert. Mit Turkmenistan und Pakistan besteht seit langem militärische Zusammenarbeit, so haben die Saudis maßgeblich die Pakistanische Atombombe finanziert und könnten auf diesem Weg sich wahrscheinlich auch eine Bombe kaufen. Die Unterstützung durch die Türkei ist neu und wurde durch ein Investitionsabkommen zur Ankurbelung der türkischen Wirtschaft erkauft. Yazd
P.S.: Dies ist Teil 1 aus meiner Reihe über den Atomdeal und seine Folgen.

Sommer im Iran

Um viele Eigenarten der Iraner zu verstehen, muss man den Sommer im Iran verbringen. Im Sommer ist es im Iran brutal heiß. Das Thermometer klettert gerne über die Vierziggradmarke.
IsfahanDer Tagesablauf der Iraner passt sich dessen an, sie schlafen am Nachmittag und bleiben wach bis in die Puppen. Geschlafen wird im Iran von 15:00 bis 17:00Uhr und von 1:00 bis 6:00Uhr. Marjan und ich schlafen morgens länger aber spätestens um 8:00Uhr ist es zu warm zum Schlafen. Da die Iraner um Mitternacht schlafen gehen bezeichnen sie 4:00 Uhr als Mitternacht.
Isfahan
Für eine Fahrradtour in diesem Wetter würde ich in der Zeit von 6:00 bis 11:00 radeln und danach Pause machen. Gegen Abend (18:00Uhr) würde ich noch mal aufbrechen, um mir einen Schlafplatz zu suchen. Durch die relative Äquatornähe ist es um 8 Uhr fast dunkel.
In Gilan, Iran mit Marjan
Abend ab 19:00Uhr wird erst shoppen gegangen. Die Innenstadt von Isfahan ist voll. Um 22:00 Uhr leert sich die Innenstadt wieder, da dann der Busverkehr stark reduziert wird. Anschließend werden Verwandte besucht. Isfahan
Interessant finde ich, dass das öffentliche Leben somit großenteils im Dunkeln stattfindet. „Im Dunkeln lässt sich gut munkeln“ und eine islamisch konservative Gesellschaft harmonieren in Eintracht.
IsfahanInsgesamt herrscht großes Erstaunen darüber, dass ich Abends müde bin und ich habe große Probleme Nachmittags zu schlafen. Es ist zu warm! Noch größere Verwunderung löste die Bemerkung aus, dass wir in Deutschland keinen Mittagsschlaf machen.
Test
Da die Iraner an warme Themperaturen gewöhnt sind, heizen viele im Winter wie verrückt. In der Wohnung wird weiterhin bei 35°C in T-Shirt gelaufen. In den Parks spenden viele Bäume auch im Winter reichlich Schatten.

Gilan – Iraner lieben Regen und hassen nassen Rasen

Mit Marjan war ich in Gilan am Kaspischem Meer. Im Iran wird diese Region als der Norden bezeichnet und die Region um Tabris als der Westen, obwohl Tabris nördlicher liegt. In Gilan, Iran mit Marjan Das Klima an Kaspischen Meer ist sehr angenehm. Die Temperaturen sind nicht so extrem und es regnet häufiger. Daher ist das Land grün. Iraner lieben Regen und Grün: Bäume, Pflanzen, Rasen. Iraner mögen keine Sonne. Im Frühling saßen viele Iraner lieber mit einer Wolldecke im Schatten als in der Sonne. Deutsche sitzen dagegen mit der Wohldecke in der Sonne, sobald es möglich ist. In Gilan, Iran mit MarjanIn Gilan, Iran mit Marjan Iraner hassen nassen Rasen, sie haben eine regelrechte Phobie, sie testen ausgiebig die Trockenheit des Rasens, selbst jetzt im Sommer bei 40°C, bei denen der Rasen in einer Minute trocken ist. Normalerweise bringen Iraner sich einen Teppich oder eine Matte auf der sie sich niederlassen. Vor betreten der Matte werden die Schuhe ausgezogen, wie in jeder Wohnung. Sobald man die Matte verlässt, werden die Schuhe wieder angezogen. Selbst Kleinkinder die einem Ball hinterher laufen wollen, der von der Matte gerollt ist, ziehen sich zuerst Schuhe an. Iraner lieben bunte Kücken, In Gilan, Iran mit MarjanIraner lieben bunte Kücken, In Gilan, Iran mit Marjan Iraner lieben Vögel. Sie füttern alle Arten von Tieren. Nach dem Picknick verteilen sie Brotkrumen im Gras „für die Vögel“, so die Begründung. Das sich auch die Ratten davon ernähren, sei nun mal so, wird mein Einwand ignoriert. Da die Iraner Vögel so sehr lieben, halten sie in kleinen Käfigen in Geschäften und Wohnungen, so ist immer Vogel gezwitschert in der Luft. In Gilan, Iran mit Marjan In Gilan habe reiche Tehrani eine Wochenendvilla. So gibt es in Gilan viele schöne Autos, Menschen und Häuser. Reiche Iraner haben mehr: Sie tragen mehr Kilogram (nicht nur Makeup) mit sich herum. Mit dem Reichtum steigt auch die Makeupmenge, obwohl alle Iranerinnen nicht dezent geschminkt sind. Ebenso wächst auch die Größe des Portmoneys. Bei voller Entwicklung hat es Handtaschengröße. Häufig wird das Portmoney in der Hand spazieren geführt und verbirgt sich nicht in Hand-, Hemd- oder Hosentaschen. In Gilan, Iran mit Marjan Die Menschen in Gilan sind weniger religiös. Der schwarze Tschador ist eine Seltenheit im Straßenbild, dafür gibt es fahrradfahrende Frauen. Die nicht Religiosität hat historische Gründe, so hat sich die Region in den Bergen am Kaspischem Meer Jahrhunderte lang gegen die arabisch-muslimische Invasion gestemmt. In Gilan, Iran mit Marjan Heutzutage ist bei vielen Menschen entscheidend für die Einstellung zur Islamischen Revolution, das Alter der Person beim Zeitpunkt der Revolution, neben anderen Faktoren. So haben Menschen die heute 50 Jahre alt sind (15 Jahre alt bei der Revolution) eine andere Perspektive als Menschen die bei der Revolution zwischen 25 und 35 Jahre alt waren und heute zwischen 60 und 70 Jahre alt sind. Die Revolution war 1979 vor 36 Jahren. Häufig wird die Einstellung der Eltern an die Kinder weiter gegeben. Ich habe gehört, das sich ähnliches auch bei den Umbrüchen in der deutschen Geschichte beobachten lässt. In Gilan, Iran mit Marjan In Gilan, Iran mit Marjan

Eine warme Radtour

Erste Radtour mit MarjanWir haben unsere erste gemeinsame Radtour hinter uns. Für zwei Tage sind wir nach Tiran und zurück gefahren (Route). Erste Radtour mit Marjan Erste Radtour mit Marjan Um der  erwarteten Wärme zu entgehen, sind wir um 7 Uhr gestartet. Nach vier Stunden haben wir uns in den Schatten des Parks von Najafabad zurückgezogen und wurden dort von zwei (neugierigen) iranischen Familien ausgefragt: Woher wir kommen? Ob wir verheiratet sind und so weiter. Erste Radtour mit Marjan
Iraner sind generell sehr neugierig und wenn sie jemand interessantes sehen, dann gucken sie. Im Gegensatz zu Deutschland haben sie keine Hemmungen beim Menschen begucken. Viele Iraner sprechen auch Touristen an, weil sie neugierig sind.
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Nicht alle Ausländer im Iran werden so wohl wollend empfangen. Gegenüber Flüchtlingen aus Afghanistan herrscht der gleiche Gefühlscocktail in der Bevölkerung vor, wie in Deutschland. Die Einstellung variiert von „die sollen doch in ihrem Land bleiben, und wir sollen sie sofort zurückschicken, es ist schließlich ihr Problem, wenn sie dort Krieg haben“ bis „Jeder Mensch sollte dort Leben können, wo er will“. Natürlich sind alle Variationen dazwischen. Mehrere Iraner haben mir erzählt, dass die Afghanen zum Beispiel beim Hausbau mehr arbeiten für weniger Geld. Hochzeiten zwischen Iranern und Afghanen sind ausnahmen. DSC03817
Nachdem wir die 40°C mittags überstanden hatten, starteten wir um 17Uhr nach Tiran. Dort wollten wir im Stadtpark zelten, dieses ist im Iran üblich und wird von vielen Iranern im Urlaub gemacht. Viele Parks haben extra Flächen für Zelte.
Als wir in Tiran unser Abendessen in einem Supermarkt einkauften, wurden wir eingeladen bzw. Marjan wurde angesprochen. Mir scheint es so, dass ein Radfahrer schon eine Attraktion ist aber eine Radfahrerin ist, wie in blauer Elefant.
In jedem iranischen Dorf und jeder Stadt steht an der Hauptstraße ein großes Schild auf dem die gefallenen Soldaten aus dem Irak-Iran-Krieg aus der Stadt abgebildet sind. Außerdem sind in der Regel Khomenei und Komeni abgebildet. In einigen kleinen Dörfern ist es besonders erschreckend, dass auf zwanzig Häuser fast ebenso viele Abgebildete kommen.
Die Gefallenen im Iran heißen Märtyrer, die Bezeichnung empfinde ich in Deutschland als sehr euphemistisch.
Erste Radtour mit Marjan
Am nächsten Tag in Isfahan waren wir platt, die Sonne war eindeutig zu intensiv, schon das Nichtstun ist bei 40°C sehr anstrengend. Uns hat beiden die Tour viel Spaß gemacht aber sie war auch sehr anstrengend. Das nächste Mal fahren wir in kälterem Wetter.

Unerwartete Situation – Antworten Teil 2

Da mich nicht jeder Leser persönlich kennt, ich kenne auch nicht jeden Leser, haben sich einige Fragen an gesammelt: Wo bist du gerade? Du müsstest doch schon in der Mongolei sein? Warum schreibst du über den Iran und Arabien? Bist du etwa immer noch im Iran? Ist es dort nicht heiß? Hast du kein Bock mehr aufs Radeln?
Isfahan
Es ist der 5. Juli 2015 ich bin in Isfahan. Draußen ist es warm, sehr warm, das Thermometer klettert hier seit einem Monat mittags auf vierzig Grad. Ich lebe mit Marjan und ihrer Familie zusammen, sie schlafen, wie alle Iraner Nachmittags.
Isfahan
Die letzten drei Monate waren die verrücktesten meines Lebens. Anfang März bin ich in den Iran eingereist und wollte 3 Wochen bleiben, das Usbekistan-Visum hatte ich schon in der Tasche. Ich beschloss Menschen wieder zu besuchen, die ich besonders sympathisch gefunden habe. Über Nowroz wollte ich von Yazd nach Mashad radeln. Mit dem Bus fuhr ich nach Isfahan um Marjan wieder zusehen, und blieb. Wir haben uns mächtig ineinander verliebt.
Isfahan
Nach einer Woche erzählte sie ihren Eltern von mir. Zum iranischen Neujahrsfest, Nowroz, nehmen sich die Iraner zwei Wochen Zeit alle Verwandten zu besuchen. In dieser Zeit traf ich das erste Mal ihre Eltern und Onkel und Tanten. Bei der ersten Begegnung guckte ich in eine große Anzahl grimmige Herrengesichter mit imposanten Schnauzbärten an, um so größer der Bart im Iran, desto konservativer oder religiöser der Mann. Bei der zweiten Begegnung am Ende des Neujahrsfestes waren die Gesichtsausdrücke der Onkel schon viel freundlicher.
Ich
Nach geglückter Familienrunde war ich erst mal einen Monat in Deutschland, um meine Familie wieder zusehen und über die neue Situation ausgiebig nachzudenken.
Isfahan
Den Höhepunkt der letzten drei Monate bildete dann die letzte Maiwoche. Meine Eltern kamen für eine Woche in den Iran, da sie neugierig waren und im Iran das gegenseitige Kennen der Familien sehr wichtig ist. Am Ende der Woche haben Marjan und ich dann geheiratet. Wir sind für die nächsten sechs Monate verheiratet. Die Heirat auf Zeit ist eine iranische Innovation. Es ist vergleichbar mit einer schriftlich fixierten Verlobung in Deutschland.
Fernsehwerbung
Der erste Teil meiner Radtour scheint zu Ende zu sein. Da Marjan sehr gerne Fahrrad fährt ist eine Fortsetzung nach China nicht ausgeschlossen. Im Moment ist Radfahren im Iran kritisch. Es ist fast immer über 30°C und Mittags kratzt das Thermometer an der Vierziggradmarke.
Isfahan
Mein Leben hat sich in den letzten 3 Monaten noch ein bisschen schneller gedreht, da war nicht immer Zeit zum pünktlichem Bloggen.Zukünftig werde ich es aber weiterhin versuchen. Es gibt hier zu viel kurioses aufzuschreiben.
Marjan & Ich

Kulturschock

Verkehr im Iran
Meinen ersten Kulturschock auf dieser Reise habe ich rückblickend erlitten, als ich das erste Mal in Dubai war. Im Gegensatz zum Iran wird sehr schnell, in großen Autos gefahren aber es wird sich an Regeln gehalten. Zunächst hatte ich tatsächlich Probleme mein Fahrverhalten daran anzupassen. Ich war zusehr den iranischen, sehr dynamischen Fahrstiel gewöhnt und hatte diesen Wandel nicht erwartet. Der Fahrstil in den Emiraten entspricht dem deutschen. Wenn man sich auf das regelkonforme Verhalten der anderen Verkehrsteilnehmer verlassen kann, lässt sich sehr gut radeln. Ich war froh wieder in die Emirate zu kommen, den der Fahrstiel im Oman ist für Fahrradfahrer lebensgefährlich. In aller Regel fahren die Omanis ganz gut. Es sind die Ausnahmen, die es gefährlich machen. Im Oman werde ich viel angehuppt, in den meisten Fällen weil überhollt werden soll oder als Gruß. Jedoch gibt es circa alle zwei Tage einen Pickupfahrer, der zwischen Telefonieren, dinieren und fernsehen auf den Standstreifen geraten ist. Durch die gute Federung der Pickups ist es für ihn der schlechtere Staßenbelag aber irrelevant. Wenn er zwischendurch außnahmsweise, neben seinen anderen, obenbeschriebenen Aktivitäten, durch das kleine Guckloch schaut, dass dadurch entsteht, das die eine Hälfte seiner Windschutzscheibe mit Sonnenschutzfolie beklebt ist und die andere Hälfte durch Polster bedekt sind die die Amaturen vor den Sonnenstrahlen schützen sollen, denn sieht er mich auf meinem Fahrrad. In aller Regel hat er keine Zeitmehr zum bremsen und drück die Hüpe und ich steuere den Sand neben der Straße an.
Isfahan
Diese Begegnungen sind für mich immer sehr streßvoll und verderben mir den Tag. Außerdem machen sie mich sehr nervös, wenn ich ein Hüpe höre. Da ich jedes Mal schnell in den spiegel schauen muss.

Erklaerung zu den Bildern: Eines der beiden Foto wurde mir von einem Freund meiner Eltern geschickt, es zeigt den Iran vor 40 Jahren.

Blühende Landschaften

Dubai ist eine neue Stadt. Vor 50 Jahren gab es nur Sand und 40.000 Einwohner. Dubai boomt. Es wird viel gebaut. Die „Industrial Areas“ von Sharjah sind fast ausschließlich ein Abstellplatz für Baumaschinen.
Sharjah & Dubai
Heutzutage ist Dubai ein indische Stadt. 51% der Bevölkerung kommt aus Indien und 17% aus Pakistan. Nur 10-15% sind Emiratis. Die Emirate schauen in die Zukunft und haben ihre erste Marsmission angekündigt. In Dubai gibt es gigantische Straßen, 6 Spuren pro Richting. Als Radfahrer fühlt man sich ziemlich klein, aber es ist auch cool auf so großen Straßen zu fahren.
Sharjah & Dubai
Leider bleibt dem Radler in Dubai nicht viel anderes übrig. Es gibt nur große Straßen oder große Straßen zur Auswahl. Bei der Errichtung von Dubai wurde kein Verkehrsmittel außer dem PKW berücksichtigt. Es gibt keine Fahrradwege, die U-Bahn ist relativ neu und prägendes Nahverkehrsmittel ist das Taxi.
Sharjah & Dubai
Wer „in“ Dubai Fahrradfahren möchte, begibt sich zum Al Qudra Cycle Path, eine über 100km lange Radstrecke mitten in der Wüste. Es gibt jedoch keine Möglichkeit die Strecke mit dem Fahrrad „legal“ zu erreichen, den an allen Zufahrtsstraßen ist das Radfahren verboten.
Sharjah & Dubai
Dies stört die Emiraties aber nicht weiter, ihre Autos sind groß genug für den Radtransport. Das Radfahren das neue Golf der Reichen ist, zeigt sich auch und besonders stark in Dubai. Der Kauf von Fahrrädern zu einem Preis von über 10.000 Euro ist kein Problem. Ebenso gibt es den speziell designten Emirate Laufradsatz für nur 7000 Euro. Leider habe ich keine Teile für meine 24-Gangschaltung bekommen können, bei Nachfragen bekamen die Verkäufer immer große Augen und meinten, dass die Technik zu alt sei.
Sharjah & Dubai
Lieder haben die Stadtplaner es versäumt Dubai zu einer grünen, nachhaltigen, regenarativen oder sonst wie auch immer zukunftsfähigen Stadt zu entwickeln. Der petroliumgetriebene Lebensstiel mit zu großen Autos auf noch größeren Straßen erinnert mich an einige amerikanische Städte, wo sicher auch die Vorbilder dieser Städteplanung zu suchen sind. Die inoffiziellen Slogens von Dubai, die mir immer wider entgegen strahlen werben mit „enhance your shopping expierince“ und „(for a) better class shopping“ für eine bessere Zukunft.
Burj Kalifa
Bei meinem ersten Besuch in Dubai konnte ich mich nicht des Gefühls nicht verwehren in einer neuen Wundercity zu sein. Ganz nach dem Motto „work hard, play hard“ das mir mehrere Europäer dort nennen. Dubai hat entscheidende Standortvorteile, günstige Energie, geringe Löhne (durch die ausländischen Arbeitskräfte) und fast keine Steuern, da der Staat aus dem Öl seine Einnahmen erzielt. Diese Bedienungen haben viele internationale Unternehmen angelockt. Trinkwasser ist kein Problem, da ausreichen Energie für die Entsalzung zur Verfügung steht. Falls das Öl nicht mehr in den benötigten Mengen zur Verfügung steht. Könnten auch die Einnahmen des Staates wegbrechen und die Wasserentsalzung schwieriger werden. Mich erinnert der Boom von Dubai am Anfang dieses Jahrhundert an die Entwicklung von Detroit im letzten Jahrhundert. Das die ansässigen Unternehmen und Menschen global mobil sind, haben sie bereits bei der Wanderung nach Dubai gezeigt. Ist Dubai das Detroit des 21. Jahrhunderts?
Sharjah & Dubai
P.S.: In Detroit sind in zwischen blühende Landschaften entstanden.