Georgien – Wieder in Europa?

Batumi
Mein erster Gedanke an Georgien war: „Endlich Alkohol zu vernünftigen Preisen“.
Batumi
In Batumi gibt beeindruckende Architektur.
Batumi
Leider Vieles for Sale.
Batumi
Also wenn Ihr moderne Architektur kaufen wollt, gibt es die in nicht geringer Zahl in Batumi.
IMG_2124
Die Landschaft ist umwerfend. Endlich wieder Gebirge. Ich stehe in einer sehr starken Hassliebe mit Gebirgen. Einerseits ist die Landschaft oft sehr schön, andererseits ist es sehr anstrengend dort zu radeln.
Goderdzi Pass
Die Straße war ziemlich schlecht: Piste, Steine, Schlamm. Mehr als Schrittgeschwindigkeit war nicht möglich. Berg ab ging es auch nicht schneller.
Zarzma Monastery
Als ich Abends in Zarzma an kam, fragte ich im Dorf nach einem Platz für mein Zelt, da ich vermutete das es in den Bergen Wölfe, Bären und Hunde gäbe. Später wurde meine Vermutung von einem der Einheimischen bestätigt. Einige Einheimische fragte ich nach einem Platz für mein Zelt, sie deuteten auf die Kirche und meinten ich solle dort fragen. Zunächst war ich eher unwillig, denn die Kirche stand auf einem hohen Felsen und an der Straße hinauf stand ein 14%-Steigung-Schild. Oben angekommen entpuppte sich die Kirche als Kloster. Einer der Mönche sprach mich auf Englisch an und ich erklärte, dass einen Platz zum Schlafen bzw. für mein Zelt suche. Er erwiderte, dass er nach fragen müsse und verschwand in den Mauern. Er kam mit der freudigen Nachricht zurück, dass sie ein Gästebett frei hätten. So verbrachte ich einen Abend im Kloster Zarzma. Ich durfte mit an der großen Tafel speisen und dem Gottesdienst beiwohnen. 🙂
Kühe
Erstaunlich finde ich, dass es in Georgien deutlich weniger Müll in der Landschaft gibt. Ich hatte mich in Griechenland und der Türkei schon so sehr an die zu gemüllte Natur gewöhnt, dass es mir erst wieder richtig aufgefallen ist, als der Müll nicht mehr das war. Die Türken haben in dieser Beziehung ein verstörendes Verhältnis zu ihrem Land, wenn sie irgendwo picknicken oder aus anderen Gründen Essen in der Natur zu sich nehmen, lassen sie die Verpackungen einfach zu Boden segeln, wo sie dann verbleiben.
Cowboy
Georgien kommt mir deutlich europäischer vor als die Türkei, ich kann es leider noch nicht an konkreten Situationen festmachen, es ist mehr ein Bauchgefühl. Die Georgier verhalten sich europäischer.
IMG_2128
Erstaunlich finde ich, wie präsent die Geschichte in vielen Ländern ist. So ist es mir in Griechenland, der Türkei und Georgien passiert, dass Gesprächspartner als eines der ersten Themen, die früher vorhandene Größe „ihres“ Landes wählten. In der Regel wurde dabei auf Gebiete Bezug genommen, die zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert zum entsprechenden Land gehörten.
Interessant wird die Beobachtung, wenn man die Grenzen auf dem Gebiet der BRD sich in dieser Zeit anschaut. Und sich fragt, warum in Deutschland die Geschichte nicht so präsent ist.
(Wäre die deutsche Nation nicht so stolz auf ihre wirtschaftliche Macht, würden wir womöglich immer noch Ostdeutschland als Mitteldeutschland bezeichnen.)
Batumi
Unterwegs stehen immer wieder Kinder am Straßenrand. Sie freue sich immer mich zu sehen und wollen sich mit mir unterhalten. Die Gespräche sind in der Türkei und in Georgien sehr unterschiedlich.
Batumi
Einige Türken haben jedoch einen erweiterten Wortschatz einige Andere werfen jedoch mit Steinen, wenn die Antwort aus ihrer Sicht nicht zufriedenstellend ausfällt. Glücklicherweise können sie nicht gut zielen. In Georgien ist mir das nicht passiert.
Batumi
Wie letzte Woche schon verlinkt ist dieses meine Route für den Kaukasus.
NEU: Mit Höhenprofil!
Batumi
P.S.: Am 15.10. bin ich meinen 6000. Kilometer nach 400 Stunden gefahren. 44300 Höhenmeter habe ich erklettert.

Advertisements

Weitere Geschichten aus der Türkei

alter Friedhof
Als ich aus Göreme aufbrach, war ich noch ziemlich geschwächt, wie ich schnell feststellte. Dazu gesellte sich ein eiskalter Gegenwind und Frost in der Nacht. Meine erste Nacht unter Null überstand ich heil. Mit meinem Schlafsack bin ich aus dieser Sicht sehr zufrieden.
Zeltplatz
Viele türkische Dörfer haben Ähnlichkeiten mit Elbonia. Die Straßen bestehen aus brauner Erde, die Felder bestehen aus brauner Erde und die Wände der Häuser bestehen aus brauner Erde. Alles ist braune Erde. Es gibt nichts anderes als braune Erde. (Um hier mal eine meiner Lieblingsfernsehserien zu verlinken).
Zelten in den Dörfern ist keine besondere Freude, da hinterher an allem Erde klebt.
flaches Land
Die Menschen in der Türkei sind sehr nett aber auch in keiner Weise zurückhaltend. Da fahre ich entspannt eine kleine Straße zwischen zwei Dörfern, taucht ein Möfa mit zwei Jugendlichen auf. Sie reduzieren ihre Geschwindigkeit, fahren neben mir, deuten auf mich und sagen: „Euro, Euro!“ und „Money, Money!“. Ich bin verwirrt und frage was sie wollen, die beiden deuten weiter auf mich: Euro, Euro!“ Wollen sie wissen was mein Fahrrad kostet? (eine häufig gestellte Frage) Wie viel Geld ich dabei hab? Ob ich ihnen Euros gebe? Wollen sie mich von der Straße abdrängen? Ist das ein Überfallversuch? Ich werde es nie erfahren, irgendwann geben sie es auf und fahren von dannen. Ich bleibe etwas erleichtert und verwirrt zurück.
Schwarzes Meer
Ich kam am Abend in Sinop an. Endlich am Schwarzen Meer! Im Internet hatte ich von einem Campingplatz gelesen. Als ich dort ankam, lag er dunkel und verlassen vor mir. Ich wählte die Telefonnummer, die am Tor hing und der Besitzer erzählte mir, dass die Saison vorbei sein, die letzten Gäste vor einer Woche abgereist waren, er jedoch werde kommen, das Tor aufsperren, Wasser und Licht anstellen. Ich solle nur 10 Minuten warten. So verbrachte ich zwei Tage in Sinop auf einem leeren Campingplatz.
Kloster Sumela
Die Berge am Schwarzen Meer sind Grün. Das ewige Braun in Braun hatte ein Ende.

Von Sinop bin ich mit dem Nachtbus nach Trabzon gefahren. Die ersten zwei Stunden waren bloß zwei weitere Gäste im Bus. Mitten in der Nacht hielt der Bus in einem kleinen Dorf und die beiden Fahrer (und ein weitere Mann, der am Telefon übersetzte) erklärten mir, das ich zu viel Gepäck hätte und wegen über Gepäck 20$ (US-Dollar) zuzahlen hätte oder die Fahrt für mich hier zu Ende sei. Beim Ticketkauf hatte ich extra lang und breit erklärt, dass ich viel Gepäck und ein Fahrrad hätte. Ich habe auch kein Problem mit einem extra Gepäckzuschlag, es ist ja viel Gepäck, jedoch dass mich die Fahrer mitten in der Nacht wecken und US-Dollar verlangen, fühlt sich schon stark wie Weglagerei und Schmiergeld an.
Fischmarkt Trabzon
In Trabzon ging ich zum iranischen Konsulat. Wie erwartet ging es sehr schnell (innerhalb eines Tages) und problemlos. Für eine entspannte Visaabwicklung ist das Konsulat in Trabzon bekannt. Da der Herbst und Winter unaufhaltsam näher rückten, dachte ich ernsthaft darüber nach mit dem Bus nach Van zu fahren und von dort den Zug nach Teheran zu nehmen. Jedoch war das Opferfest gerade zu Ende gegangen und alle Busse für mehr als eine Woche ausgebucht. Neben meinen schlechten Erfahrungen bei meiner letzten Busfahrt, führte das dazu, dass ich diese Route in den nächsten Wochen in Angriff nehmen werde.
Die ausgebuchten Busse waren nicht nur für mich ein Problem, sondern auch für eine größere Zahl von Backpackern, die in Trabzon strandeten. Die Bezeichnung „Trab Zone“ machte die Runde.
Bis auf das Busproblem habe ich nicht viel vom Opferfest mit bekommen, im Straßenbild war für mich kein Unterschied zu erkennen. Alle Läden (bis auf Banken) haten wie gewohnt auf, alle Menschen gehen ihren Tätigkeiten nach. Ein Ladenbesitzer hat mir ein Stück von seiner Milka-Schokolade geschenkt, die er zum Fest geschenkt bekommen hatte. Auf der Schokoladenpackung stand in Deutsch „Frohes Fest“.
Kloster Sumela
Manchmal ist es erstaunlich, wo man in der Türkei alles campen darf. An meinem letzten Abend aß ich in Hopa Abendbrot. Eine Gruppe junger Männer am Nachbartisch winkte mich zu sich, und bat mir einen Stuhl an ihrem Tisch an. Nach dem Essen fragten sie mich, ob ich mit ihnen in cafe gehen und Karten spielen wollte. Ich war zunächst sehr unschlüssig, denn ich hatte noch keinen Schlafplatz für die Nacht und die Dämmerung war schon weit fortgeschritten. Ich fragte sie, ob sie einen Platz für mein Zelt wüsten und sie sagten, dass es mehrere Kilometer nördlich der Stadt einen Strand gäbe, an dem ich zelten könnte. Sie boten am mich Abends vom Cafe aus dorthin zu fahren. Gesagt getan. Nach einem sehr entspannten Abend, luden wir mein Rad auf einen Pickup und fuhren los. Während der Fahrt überlegten sie, dass es am Strand wohl gefährlich sein konnte, da dort niemand sei und ob es nicht besser wäre direkt an die Grenze zu fahren. Dort angekommen deuteten sie auf ein Stück Rasen direkt am Grenzzaun und sagten mir, dass ich dort mein Zelt aufstellen könnte. Ich war sehr skeptisch, vor meinem innerem Auge spielte sich eine Szene. Ich werde nachdem sie weggefahren sind, von der Polizei aus meinem Zelt geholt, muss die Nacht über wartend an der Grenze verbringen oder im dunklen zusammenpacken und einen neuen Zeltplatz suchen. Also bestand ich darauf die Polizei zu fragen, ob ich wirklich dort zelten dürfe. Wir fanden einige Polizisten beim Mitternachtssnack an einer Dönerbude. Und sie bestätigten mir, aus meiner Sicht das unfassbare, wenn ich wollte, könne ich dort zelten. Auf dem Bild ist der weiße Turm das georgische Grenzgebäude, davor rechts die türkischen Gebäude)
Grenze
Vor mehreren Wochen habe ich über die Politik von Erdogan geschrieben. Inzwischen habe ich mit verschiedenen Menschen darüber gesprochen und zu dem Schluss gekommen, dass Erdogan schon wegen der neuen Straßen gewählt wird. Es benötigt das hierdurch initiierte Wirtschaftswachstum nicht zwingend. Durch die Straßen entsteht für jeden Menschen sichtbar Fortschritt und wenn selbst das kleinste Dorf durch eine vierspurige Straße angebunden ist, können die anderen Verheißungen nicht mehr fern sein.
Ich würde sogar soweit gehen, dass wenn wir in Deutschland einen Politiker hätten, der in diesem Maßstab und für jeden sichtbar, Deutschland in Richtung Zukunft bewegte, würde er immer wieder gewählt. Doch dafür bräuchten wir in Deutschland erst einmal ein Zukunftsideal, eine Idee wohin sich unser Land entwickeln soll. Oder leben wir am Ende der Geschichte?
Ein Tal aus Straße
Teilweise ist es erschreckend welche Flächen durch den Straßenbau zerstört werden. So ist dieses Tal ein schmaler grüner Streifen in der braunen Landschaft. Durch die Straße ist das halbe Tal zu betoniert.
Straßen
So wird dann die Kuh zu grasen zwischen die beiden Mittelleitplanken angebunden.

Ich empfinde die Turkei als sehr spannendes Reiseland. In meinen Augen gibt es hier zwei konkurrierende Gesellschaftsmodelle, einer das traditionelle Islamische und andererseits die westliche Konsumgesellschaft. Ich glaube jeder Türke trägt Teile beider Gesellschaftsmodelle in sich und muss sich zwischen beiden Extremen positionieren, bzw. wird durch sein Umfeld positioniert.
Bildlich sieht die Situation dann so aus, dass mir ein Schafhirte auf seinem Esel mit dem Smartphone in der Hand freudig zu winkt.
Dazu gesellt sich ein Präsident, welcher einerseits aus dem traditionellen Lager stammt aber andererseits die wirtschaftliche Entwicklung massiv vorantreibt. In aller Regel geht wirtschaftliche Entwicklung mit einer Verwestlichung einher. Ich bin gespannt wie sich die Türkei in den nächsten Jahren entwickeln wird.
Cay
Zu den besten Dingen in der Türkei gehört der Cay. Ich hoffe die Teekultur geht nicht durch die Entwicklung in den nächsten Jahren unter.
Starke Männer
Somit verlasse ich, dass Land der zwei starken Männer. Ich werde bestimmt wieder kommen.
Güle Güle
Güle ,Güle!

Flugobjekte

Tuz Gölü: Salz
Salzseen finde ich super interessant, daher habe ich mir den Tuz Gölu (Tuz = Salz, Gölü =See) genauer angesehen. Die Landschaft war echt super (flach). Fast wie auf dem Mond sah es aus. Menschenleer. Nach zwei Stunden auf den Sandpisten zwischen Eskil und Yesiltepe machte ich Pause. Ein Militär-LKW kam des Weges und hielt. Die Soldaten erklärten mir, dass in der Gegend geschossen wurde und ob ich nichts gesehen hätte. Bis vor drei Stunden hätten die Flugzeuge aus Konya die Gegend noch beschossen. – Glück gehabt…
Wie mir später erzählte wurde, wird in der Gegend regelmäßig geschossen. Auf keiner meiner beiden Karten ist jedoch ein Militärgelände eingezeichnet. Warnschilder habe ich auch keine gesehen. Andere Länder, andere Sitten…
Tuz Gölü
Tuz GölüIch beschloss nicht am See zu campen und radelte weiter bis ins nächste Dorf. Es dämmerte als ich dort an kam. Da keine Bäume zum versteckt zelten vorhanden waren, und ich auch nicht in zu großem Abstand zum Dorf zelten wollte (aus oben stehenden Gründen), fragte ich im Dorf nach einem Zeltplatz. Mir wurde ein Platz am Dorfrand durfte ich mein Zelt aufschlagen. Die Dorfjugend belagerte mich (ca. 15 Jungen um die 18 Jahre). Keine konnte Englisch, alle stellten gleichzeitig fragen, wollten mein Fahrradfahrren oder auseinander nehmen, alles musste angefasst werden… Was für ein Kontrast erst diese menschenleere Wüste und dann dieser Trubel. Mit Hilfe von Wörterbüchern und Smartphones übersetzten wir alle Fragen.
Der Grund warum ich diese Zeilen schreibe ich jedoch, die eine Frage die sie nicht übersetzen konnten. Es ging um Sex. Sie wollten unbedingt mit mir über dieses Thema sprechen. Über eine halbe Stunde haben sie immer wieder versucht Anläufe unternommen ihre Fragen zu übersetzen doch Google-Translate machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Ich vermute es liegt an der Umgangssprache, de in diesem Zusammenhang vielfach anzutreffen ist. Darauf wollten sie mir (nicht besonders gute) Pornos auf ihren Smartphones zeigen.
Ehrlich gesagt bin ich verwirrt. Zumindest, wenn ich mich zurück erinnre, hatte ich in diesem Alter nicht den Wunsch Pornos Fremden zu zeigen oder mit ihnen über Sex zusprechen.
Karavanserei
Auf dem Weg von Konya nach Kappadokien gibt es viele Karawansereien. Ich bin auf der Seidenstraße!
Karavanserei
Am Abend halte ich an einer Quelle im Nirgendwo. Zwei Autos halten. Niemand steigt aus. Skeptisch beobachte ich die Autos, ich sehe keinen Grund warum die Autos hier halten sollten. Als sich nichts tut, beginne ich Wasser ab zufüllen. Zwei Jugendliche steigen aus den Autos und kommen auf mich zu. Weitere Jugendliche bleiben in den Autos. Die Beiden sprechen mich auf Türkisch an. Ich verstehe kein Wort, frage, ob sie Englisch sprechen. Sie sprechen kein Englisch. Mühevoll bauen sie die Frage zusammen, ob ich Alkohol dabei hätte. Als ich verneine. Signalisieren sie mir, dass sie das positiv sehen und gehen zurück zu ihren Autos. Komische Welt…
Kappadokien: Uchisar
Endlich erreiche ich Kappadokien. Hierher wollte ich, seit dem ich Bilder von diesem Ort gesehen habe. Die Ersten drei Monate sind um.
Kappadokien
Die Landschaft ist grandios und gehört neben dem Grand Canyon und Meteora zu den schönsten Plätzen an den ich bisher war. Im Gegensatz zu den beiden anderen Orten hat Kappadokien jedoch nicht eine umwerfende Ansicht, sondern besteht aus unzähligen Tälern, Höhlen und Tunneln die es zu erkunden gilt. Jeden Tag an dem ich hier bin gefällt mich die Landschaft besser.
Kappadokien
Ich blieb ganze neun (!) Tage in Kappadokien. Neben der Landschaft fielt mich Montezumas Rache gefangen. Bei Cola (ohne Kohlensäure) und Salzstangen vegetierte ich dahin. Die erste Medizin aus der Apoteke schlug nicht an. Die Zweite jedoch schon, so war ich nach einer Woche wieder startbereit, und dann regnete es zwei Tage.
Kappadokien: Höhlenkloster
Zurück zu den schönen Dingen des Lebens.
Am besten gefallen mir hier die Tunnel. An vielen Stellen, wo Wasser unter Felsen hindurch fließt, wurden die Öffnungen vergrößert, so dass man hindurch gehen kann. Diese Tunnel sind manchmal über 20m lang und haben mehrere Kurven, es ist stockfinster und man weiß nie wo man heraus kommt. Ich habe immer, wenn ich hier unterwegs bin meine Taschenlampe dabei. Teilweise ist der einzige Hinweis darauf das der Tunnel irgendwo herauskommt, das Fußspuren herein, aber nicht heraus führen.
Kappadokien: Uchisar
In einigen Höhlen sind Kirchen. Teilweise sind die Gemälde nach über 1000 Jahren noch in einem vortrefflichem Zustand.
Kappadokien: Felsen Kirche (Dark Church)

Kappadokien
Der Höhepunkt sind jeden Morgen die Heißluftballone.
Kappadokien
Fast hundert (100!) Ballone starten jeden Morgen zwischen 6 und 7 Uhr, spätestens um 9 Uhr ist der Spuk vorbei.
Kappadokien
Viele Touristen gönnen sich den Flug. Ich habe mir die 200€ gespart. Auch von unten ich der Anblick überweltigend.
Kappadokien

Leere Landschaften – leere Gedanken

IMG_1568
Manchmal ist Fahrradfahren wie im Zoo:
Man schaut heraus aus seinem Gedankengebäude und sieht, die Menschen vorbeiziehen und die Menschen schauen interessiert herein. Manchmal wird man mit Tee gefüttert.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen auf ein Interview mit Byung-Chul Han verweisen. Ich halte ihn für einen der schlausten Menschen, die in Deutschland leben.

http://www.zeit.de/zeit-wissen/2014/05/byung-chul-han-philosophie-neoliberalismus

Dringende Leseempfehlung!

Geschichten aus der Türkei

Die Landschaft hat sich geändert. War Griechenland noch weiß (Felsen) und blau (Meer), ist in der Türkei die dominante Farbe braun, mal ist es flach, mal hügelig, selten bergig, ab und an von Bäumen bestanden.
Alt & Neu
Bei meiner Fahrt durch Europa habe ich immer gefragt, was wohl Europa zusammenhält, was die verbindenden Themen sind. Da die europäische Idee im Zuge der Krise der europäischen Währung leider nicht mehr unter dem besten Stern steht, hat mich interessiert, auf welche Themen ich in jedem Land angesprochen werde. Da ich in Griechenland und in der Türkei (bisher) auf die Themen nicht angesprochen wurden, schreibe ich diese Zeilen auf.
Einerseits wurde ich in jedem Westeuropäischen Land darauf angesprochen, dass die Teile an meinem Fahrrad nicht modern seien. „Warum hat du keine Scheibenbremsen?“, „Warum hast du nur eine achtfach Kassette?“ Insgesamt wurde festgestellt, dass mein Fahrrad unmodern und nicht auf dem Stand der Technik ist.
Das andere Thema auf das ich immer angesprochen wurde, war meine schlechte Figur. Viele Gesprächspartner waren sich sicher, dass ich abnehmen werde. Weniger was die Frage, ob ein sportlicher Körper für eine solche Tour notwendig sein, als viel mehr dass dieser optisch mehr hermachen würde.
Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass Westeuropa einerseits der Wunsch verbindet möglichst neue Dinge zu besitzen, zu kaufen, zu konsumieren und andererseits Westeuropa ein gemeinsames Schönheitsideal pflegt.
IMG_1450

Schildkröte Da ich noch nicht so lange in der Türkei bin, kann ich noch nicht viel zu gemeinsamen Themen sagen. Jedoch wurde ich bisher von jedem Gesprächspartner (ausnahmslos) gefragt, ob ich verheiratet sei.

Die Straßen in der Türkei sind besser als in Griechenland. Es gibt kein stinkendes Roadkill. Jedoch sind viele Straßen voller Rollsplitt, welches an den Straßenrändern nicht festgefahren ist. Das Rollsplitt ist deutlich gröber als das Deutsche.
IMG_1599
An der Küste sind die Kleidungsstiele bunt gemischt. Es gibt alles von knapp bekleidet bis voll-verschleiert. Die Deutschtürken, die ich bisher getroffen habe, gehören eher zur konservativeren Gruppe und kommen eher aus den östlichen Landesteilen. Zwar hatte ich dieses schon vorher gelesen, doch war mir dieses, bevor ich die unterschiedlichen Kleidungsstiele am Strand gesehen habe, nie so plastisch bewusst.
IMG_1575
Inzwischen (09.09.2014) hat hier auch der Spätsommer bzw. Herbst Einzug gehalten, es ist merklich kühler. Mein Blog ist etwas zeitversetzt, dieses ermöglicht mir das stressfreie Schreiben und ich kann jede Woche einen Text veröffentlichen. Die Verzögerung beträgt zwei bis drei Wochen. Am 10.09.2014 hatte ich den ersten Regen seit über einem Monat. In Italien und Griechenland ist kein Tropfen während meiner Durchreise gefallen. Seit dem Gewittert es jeden Abend.
Teeeinladung von Bauarbeitern
Die Menschen sind super gastfreundlich, fast jeden Tag werde ich zum Tee eingeladen. Tee wird vielfach in einem Samowar zubereitet, der zu besonderen Anlässen mit Holzfeuer befeuert wird. Leider kommt es immer wieder vor, dass ich besondere Touristenpreise bekomme. Dann verdoppeln oder verdreifachen sich die Preise plötzlich. Dann kostet ein Glas Tee nicht mehr 0,50TL sondern 3TL. Umso touristischer eine Gegend ist, desto mehr divergieren Preise für Touristen und Türken.
Efes Efes Efes
Ich bin in Ephesos vorbeigekommen. Beim betrachteten der Ruinen, fragte ich mich was wohl von unserer Hochkultur neben Tschernobyl, Fukushima und dem einen oder anderem Weltkriegsbunker übrig bleibt.
Auf die Frage, was er von der westlichen Zivilisation halte, höhnte Mahatma Gandhi: «Das wäre eine gute Idee.»
mähdrescher als Standmaschiene
In Griechenland haben die Menschen immer über die Krise gesprochen. Die Türkei boomt, die Menschen denken an die Zukunft, sie erzählen was sie in Zukunft tun werden.
IMG_1529
Neben massiven Straßenbauprojekten werden in der Türkei auch neue Eisenbahnstrecken gebaut. 🙂 Dazu ein Türke: „Das brauchen wir nicht, jeder oder jeder zweite hat ein Auto, man könnte Geld besser Investieren.“ In Straßenbaustellen steht alle 50m ein Straßenschild. Meistens wiederholen sich die Schilder mehrfach. Bei Baustellen von mehreren Kilometern zieht sich der Schilderwald vom Anfang bis zum Ende. Kein türkischer Autofahrer beachtet auch nur ein Schild.
Permukale
Ich war in Permukkale und Karahayit. Vom weltberühmten Permukkale war ich eher enttäuscht. Es sind halt weiße Felsen. Karahayit hingegen fand ich sehr interessant. Warme Quellen finde ich faszinierend. Dort gab es ein viereckiges Schwimmbecken in das alle europäischen Touristen von ihren Reisebusen strebten und das Becken in der die Quelle natürlich entsprang. Dort badeten alle türkischen Touristen. Beiden Gruppen stand theoretisch auch das andere Becken frei.
Karahayit (Permukale)

Erdogan

IMG_1432
Heute wurde ich zur Tee eingeladen.
Mir wurde erzählt, das Erdogan gut für die Türkei sein. Vor 15 Jahren als mein Gesprächspartner in der Türkei sein Ferienhaus kaufte, war verglichen zu heute Anarchie. Die Türkei hat ca. 7% Wirtschaftswachstum pro Jahr. Erdogan baut Straßen, Brücken und Tunnel. Zum Beispiel wird eine Autobahn von Istanbul nach Izmir zusätzlich zur Vierspurigen Straße gebaut. Oder in Istanbul wird gerade der größte Flughafen der Welt gebaut, welcher hauptsächlich eine Konkurrenz zu Frankfurt ist (ein Grund für das Zerwürfnis zwischen deutscher und türkischer Politik).
IMG_1435
Dies möchte ich nutzen, kurz auf die türkische Politik einzugehen. Als Atakürk nach dem Ersten Weltkrieg die moderne Türkei gründete, orientierte er sich stark an Europa. So wurde Staat und Religion stark voneinander getrennt (Laizismus) und die Demokratie eingeführt. Da Atakürk die Griechen, Engländer und Italiener 1920 besiegt hatte, bildete das Militär das Rückrad seiner Bewegung. Das Militär stützt in der Türkei die Demokratie, immer wenn es zu undemokratisch (in den Augen des Militärs) wird, gibt es einen Putsch und die Demokratie wird wiederhergestellt.
Konya
Die andere Partei in der Türkei ist deutlich religiöser. Sie stellt aktuell den Präsident (Erdogan) und den Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu. Bei der letzten Wahl erhielt Erdogan 47%. Primär wird Erdogan wegen der oben genannten Gründe gewählt.
IMG_1443
Als ich das mit den vielen Bauvorhaben hörte, wurde ich hellhörig. Wirtschaftswachstum (in BIP gemessen) geht ganz einfach. Der Staat investiert in Straßen, Brücken usw. Dadurch verdienen die Menschen im Baugewerbe mehr Geld, dass sie dann ausgeben und so weitere Menschen profitieren lassen. Damit die Auswirkungen einer solchen Wirtschaftswachstumsförderung größer ausfallen, kann der Staat auch die privaten Haushalte animieren, ebenfalls zu investieren (z.B. Eigenheimzulage). Außerdem kann der Staat auch Kredite der Banken fordern, die die Investitionen der privaten Haushalte ermöglichen.
Erdogan Werbung
Und die Blase platzt…
Das Problem mit dieser Art von Wirtschaftswachstum ist, dass Infrastruktur geschaffen wird, die nicht genutzt wird und damit sich nicht amortisiert (siehe Autobahn Istanbul – Izmir). Der Staat hat zwei Wege diese Art von Wirtschaftswachstum zu finanzieren. Einerseits durch Kredit, die Türkei ist jetzt schon einer der größten Schuldner beim IWF, und andererseits durch höhere Steuereinnahmen, die sich hoffentlich durch das allgemeine Wirtschaftswachstum einstellen werden. Wenn jedoch das Wirtschaftswachstum nur aus der gebauten Infrastruktur besteht, dann werden nicht höhere Steuereinnahmen erzielt, die wiederum die Infrastrukturprojekte finanziert.
IMG_1582
Wenn der Staat seine Infrastrukturinvestitionen reduziert, dann verdienen die Menschen im Baugewerbe weniger Geld. Auch die Menschen in anderen Bewerben verdienen weniger Geld, da die Menschen im Baugewerbe weniger Geld haben und ausgeben. So sinken die Steuereinnahmen des Staates sogar. Außerdem kann es dazu kommen, dass die Menschen ihre Kredite weniger gut zurückzahlen können. Und die Negativen Wechselwirkungen setzen sich fort…
IMG_1612
Jetzt kann man natürlich spekulieren, das Erdogan dann nicht mehr wiedergewählt wird. Es kann auch sein, dass er die Zeichen der Zeit richtig erkennt und vorher Abtritt und somit zum Volksheld wird. Oder er entledigt sich der Kemalisten im Militär, nimmt es mit der Demokratie nicht so genau und baut den Sicherheitsapparat für schlechte Zeiten auf.

Welcome in Turkey

Asien, ich komme...
Von Athen nahm ich eine Fähre nach Chios (da ich keine direkte Fähre von Athen in die Türkei gefunden habe). Von Chios wollte ich nach Cesme übersetzen. Um 4 Uhr Morgen war ich in Chios um 8 Uhr sollte die Fähre nach Cesme gehen. Die Fähre legte ab und spendierte mir zunächst eine kostenlose Hafenrundfahrt. Wobei Fahrt nicht der richtige Name war. Wenn ich es richtig sah bzw. vor allem hörte (das Boot war verdächtig leise), war es eher ein rumtreiben im Hafen.
Platten
Die Türkei ist erstaunlich hügelig. Nach 4200 km hatte ich meinen ersten Platten. Wenn ich mir die Schraube in meinem Fahrradmantel so angucke, dann hätte nur ein Vollstahlrad die Schraube abgehalten. Als ich mein Fahrrad am Straßenrad flickte, wurde ich von den Anwohnern auf einen Tee eingeladen. 🙂
Route
Am Abend suchte ich mir eine Wiese für mein Zelt. Nach circa einer halben Stunde kam der Besitzer (durch Zufall) vorbei. Ich erklärte, dass ich auf der Wiese eine Nacht zelten möchte und morgen früh wieder weg bin. Er reagierte mit: „welcome in turkey“.