Eine Bombe sie alle zu knechten, ….

Warum kam es über Jahre zu keine Annäherung zwischen „dem Westen“ und dem Iran? Worum ging es bei den Atomverhandlungen? Haben die Amerikaner tatsächlich Angst vor der iranischen Bombe? Welche möglichen Konsequenzen hat die Einigung zwischen den USA und dem Iran? Wie wird sich der Iran verändern?
Angesichts der einschneidenden Ereignisse, die dem Iran bevorstehen, habe ich begonnen meine Gedanken zusammen zuschreiben.

Freitagsmoschee YazdDie Gefahr der iranischen Bombe geht vor allem von Saudi-Arabien aus. Die Gefahr besteht in einem Wettrüsten in der Region, die durch die Dauerrivalität zwischen dem Königreich Saudi Arabien und der Islamischen Republik Iran gekennzeichnet ist. Um diese Rivalität zu verstehen, kann es hilfreich sein, das offizielle Radioprogramm des Iran in deutscher Sprache zu verfolgen. Dort wird neben der täglichen Koranlesung mehr über die Saudis als über die „Zionisten“ hergezogen. Yazd
Neben der militärischen Vormachtstellung in der Region hat der Konflikt auch wirtschaftliche und religiöse Wurzeln. In der Region hängt das Einkommen der Staaten und der Machterhalt der herrschenden Kreise von den Einnahmen aus dem Verkauf von Erdöl und Erdgas ab. Bei einem zu niedrigen Preis werden die Staatshaushalte defizitär und das Wohlfahrtsprogramm für die Bevölkerung muss auf mittlere Sicht reduziert werden. Diese Gefahr wird in den nächsten Wachsen, da in den arabischen Ländern die Geburtenraten sehr hoch sind und im Iran die Bevölkerung sehr jung ist (bei niedrigerer Geburtenrate).

IsfahanMit seinen gigantischen Barreserven hat Saudi-Arabien im letzten Jahr versucht, über die Manipulation des Öl-Preises, die Kontrolle über den Markt zu behalten. Dabei ging es vor allem darum die amerikanische Frakingblase platzen zu lassen. Yazd

Die religiöse Frontstellung zwischen Saudi-Arabien und dem Iran zieht sich entlang der Spaltung zwischen Sunniten und Schiiten. Saudi-Arabien mit den religiösen Heiligtümern von Mekka und Medina sieht sich als dessen Schutzmacht. Dem Entgegen steht der Iran als weltweit größtes schiitisches Land. Der Iran unterstützt Schiiten in der Welt. Als Beispiel sei die Hisbolla im Libanon (eine Ausgründung der iranischen Revolutionsgarden), die Schiiten im Jemen oder im Irak genannt. Die iranische Armee schützt aktiv die Schiiten im Irak vor dem IS.
YazdAuf der anderen Seite betreibt Riad eine Einkesselungspolitik gegenüber dem Iran. Das Eingreifen in den jemenitischen Bürgerkrieg gegen die dortigen Schiiten richtet sich ebenso gegen den Iran, es wird versucht einen dritten Stellvertreterkrieg neben dem Irak und dem Ölpreis zu eröffnen. Für das Eingreifen im Jemen hat sich Saudi-Arabien, der Unterstützung der iranischen Nachbarn Turkmenistan, Türkei und Pakistan versichert. Mit Turkmenistan und Pakistan besteht seit langem militärische Zusammenarbeit, so haben die Saudis maßgeblich die Pakistanische Atombombe finanziert und könnten auf diesem Weg sich wahrscheinlich auch eine Bombe kaufen. Die Unterstützung durch die Türkei ist neu und wurde durch ein Investitionsabkommen zur Ankurbelung der türkischen Wirtschaft erkauft. Yazd
P.S.: Dies ist Teil 1 aus meiner Reihe über den Atomdeal und seine Folgen.

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2 Kommentare zu “Eine Bombe sie alle zu knechten, ….

  1. Ah ja, die Saudis, die „trouble makers“ des Mittleren Ostens, aber im Grunde genommen lediglich die Exekutive der Amerikaner in der Region.
    Das Öl hat das Land unermesslich reich gemacht. Und wo Öl ist, dort sind bekannterweise auch die Amis. Die Saudis haben von Anfang kooperiert, daher blieb den der „Demokratisierungsprozess“, wie man es aus den anderen Ländern kennt, erspart. Bei solchen Verbündeten übersieht man gern die Verletzung von Menschenrechten und andere Unzumutbarkeiten.
    Und Iran hätte auch so ein Verbündeter sein können, wenn er nicht die Verstaatlichung der Erdölvorkommen in die Wege geleitet hätte (in den 50-igern, unter dem damaligen Ministerpräsident Mohammed Mossadegh). Dank einer ausgeklügelten Geheimoperation von CIA und MI6 (Codename „Ajax“) konnte der Mossadegh gestürzt werden und die Macht des damaligen Schahs, der den Amis wohlgesonnen war (bzw. eher umgekehrt), erhalten werden. Eine (Teil-)Verstaatlichung hat aber dennoch stattgefunden. Etwa 50% der Einnahmen aus dem Erdölgeschäft blieben im Land (vorher waren es nur um die 15%. Stichwort: AIOC, Anglo-Iranian Oil Company, die spätere BP). Unter der Herrschaft des Schahs blieb Iran ein Freund der Amerikaner und man hatte sogar den Plan das Land zu einer Regionalmacht zu machen (den Platz haben jetzt die Saudis angenommen). Doch das blöde Volk wollte sich der diktatorischen Herrschaft des Schahs nicht fügen und so kam es Ende der 70-iger zu einer Revolution, die für die Amis mehr als ein „Schlag ins Gesicht“ war, daher kann von einer Annäherung gar nicht die Rede sein. Es sei den Iran macht wieder das, was die USA wollen. Und so lange das nicht der Fall ist, sind die in Augen unserer Wertegemeinschaft böse und das Land gehört somit zu der Achse des Bösen.
    Die Saudis sind dagegen gut, denn mit den kann man gute Geschäfte machen. Ausserdem helfen die auch mal gerne bei der Finanzierung von militanten Islamisten (Al-Qaida, die tscheschenischen Rebellen etc.) oder, wie du angemerkt hast, bei dem Bau einer Atombombe oder beteiligen sich auch an verschiedenen (verdeckten) Operationen. Was die Manipulation des Öl-Preises angeht, so passiert dies auch nur unter Anweisung aus der Übersee (denn rein aus Gewinnmaximierungsprinzip ist diese Vorgehensweise eigentlich unwirtschaftlich). So haben die Saudis zu dem Zerfall der Sowjetunion beigetragen, näheres findest du z.B. hier: http://www.heise.de/tp/artikel/26/26259/1.html
    Aber zurück zu Iran. Natürlich haben die Angst vor einer Atomwaffe. Natürlich wollen die nicht, dass Iran eine baut. Weder die Amis und schon gar nicht Israel sowie die Saudis. Ausserdem würde durch den Deal eine Annäherung an den Westen, allen voran an die EU, stattfinden. Und als nächstes steht dann die komplette Aufhebung von Sanktionen oder was?! Das würde einigen einen Strich durch die Rechnung machen. Es bleibt abzuwarten wie es sich weiterentwickeln wird. Und ich bin auf deinen 2 Teil gespannt.
    Und ja, du hast Recht, der Konflikt hat auch religiöse Wurzeln. Aber die Religion bzw. die Religionsunterschiede dienen eher als Instrument, so zusagen als Mittel zum Zweck, um bestimmte geopolitische Ziele zu erreichen.

  2. Pingback: Endlich wachst zusammen, was zusammengehört… | eastwind

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