Serious Business

Adam und ich halten an einer Autobahnausfahrt. Wir schauen auf unsere Karten, diesmal besonders gründlich, den wir hatten uns schon verfahren an diesem Tag und waren eine Stunde lang den falschen Berg heraus gefahren. Dieses Mal sind wir uns sicher, dies ist die richtige Straße. Ich mache mir noch schnell Musik an, den aufgrund meines Navigationsfehlers habe ich schlechte Laune und jetzt soll es für Stunden nur langsam bergauf gehen.
by Adam
Als wir losfahren wollen, fällt ein PKW vor uns, zwei Männer in Militäruniform steigen aus. Ich verstaue mein Handy mit der Musik und hohle meinen Pass heraus, den sie verlangt haben. Sie fragen uns das übliche wohin und woher. Sie erklären uns das der Zaun neben der Straße zu einer Militärbasis gehört und warum wir hier solange herumstehen. Und tatsächlich sehen wir in der Ferne einen Wachturm. Ich hatte vorher auch schon ein Hinweisschild auf eine Militärbasis gesehen. Aus dem Schild war eine nach oben gestreckte Faust und eine Kalaschnikow, es sah sehr nach Revolution aus. Doch das hatte ich in Zwischenzeit wieder vergessen. Es ist einfach nicht mein Tag!
Iran
Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen, ist dass ein Teil des „geheimen“ Anlagen des Atom-Programms in der Nähe sind. So werden wir kontrolliert. Die Herren Soldaten verbringen erst, sehr lange Zeit mit unsren Pässen, wobei einer die ganze „Arbeit“ macht, während der Andere pausenlos Fotos schießt.
Yazd

Iran
Dann wollen sie unsere Handys und Kameras sehen. Mein Handy können sie nicht bedienen. Ich biete Hilfe an, sie lehnen ab. Plötzlich spielt Musik, irgendwie haben sie herausgefunden, wie man Klingeltöne abspielen kann. Mit der Aufforderung die Musik auszumachen, erhalte ich mein Handy zurück. Bei Adam sind sie erfolgreicher. Sie schreiben seine kompletten Kontakte in ihr Notizbuch.
Salzsee bei Versane
Dann wollen sie unseren Tascheninhalt sehen. Bei Adam reicht es das er einmal seinen Rucksack aufmacht. Bei mir sind sie deutlich gründlicher. Drei meiner fünf Taschen muss ich komplett leeren. Ich zeige ihnen den Inhalt: „das ist ein Topf, das ist der Deckel für den Topf, das ist ein Paket Nudeln, das eine Dose Tunfisch usw.“ Sie begucken und fotografieren alles…
Salzsee bei Versane
Nach einer Stunde ist der Spuk vorbei. Sie eskortieren uns an ihrer Militärbasis vorbei. Zum Abschied halten sie uns noch einmal an. Wir verdrehen entnervt die Augen. Doch zu unserer Überraschung holen sie zwei Päckchen Orangensaft und Kekse aus ihrem Kofferraum und schenken sie uns.
Taubenturm
Dies war die nervigste und längste Kontrolle, die ich bisher hatte. Als Radreisender werde ich in allen Ländern relativ viel von der Polizei u. ä. angehalten. Selbst in Deutschland und den USA wurde ich schon kontrolliert. In aller Regel sind die Herrn Wachtmeister aber einfach nur neugierig und nutzen den Bonus, dass man sie nicht ignorieren darf, wenn sie mich bitten anzuhalten und Auskunft zu geben.
Karavanserei
Außerdem ist das Atomprogramm im Iran „serious Business“. Da fliegen durch Computerfehler mal Zentrifugen in die Luft oder der eine oder andere Wissenschaftler verschwindet plötzlich und taucht in der USA wieder auf oder hat einen Autounfall.
Karavanserei bei Versane

Yazd
Als wir weiterfahren sehen wir weitere eingezäunte Areale mit Wachtürmen. Ich meine sogar einen Panzer gesehen zu haben. Es wird langsam dunkel und wir brauchen dringend einen Platz zum Zelten. Es ist unmöglich einen guten Zeltplatz zu finden, wenn es dunkel ist. Trotz Taschenlampen lässt sie die Umgebung nicht einschätzen und umso mehr man leuchtet, desto wahrscheinlicher ist es, dass wir ungebetenen Besuch erhalten.
Karavanserei
Wir entscheiden uns dafür eine alte Karawanserei genauer unter die Lupe zu nehmen. Sie ist verschlossen, doch wir zwängen uns durch den Türspalt. Drinnen ist alles verlassen. Die einzigen Zeichen menschlicher Aktivität sind mehrere Kanister, die in einem Raum stehen. Adam öffnet einen und riecht daran. „Benzin“, er gibt ihn mir. Ich bin anderer Meinung: „Alkohol!“
Foto?
Da jedoch eine dicke Staubschicht auf den Kanistern ist. Beschließen wir, dass der Eigentümer nicht in dieser Nacht kommen wird und wir schlagen das Zelt in einem der Räume neben dem Tor auf.
Schneeee
Am nächsten Tag beginnt der Anstieg zum Pass. 2800m ist unser Ziel. Oben liegt Schnee! Ich bin begeistert und muss direkt ein Bild im Schnee machen. Später realisiere ich, dass wir im Dezember sind und dass Schnee im Dezember auf der Nordhalbkugel nichts Besonderes ist, doch da sind wir schon den Berg wieder hinunter gerollt und haben tagsüber ca. 15 °C.
Adam on 2800m

by Adam

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