Azerbaijan SSR

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Azerbaijan ist ein erstaunliches Land. Einerseits macht es Werbung als Hauptsponsor vom spanischem Fußballmeister, andererseits ist es kompliziert und langwierig ein Visum zu erhalten. Zu allem Überfluss muss sich der Tourist noch innerhalb von drei Tagen nach Einreise beim Staatlichen Migrationsdienst registrieren. Dafür sind Formulare auszufüllen, die ausschließlich in aserbaidschanisch beschrieben sind, und die Mitarbeiter sprechen natürlich keine Fremdsprachen. Warum auch? Welcher Ausländer hat schon Kontakt mit dem Migrationsdienst? Die Registrierung hat verschiedene Preise zwischen kostenlos und zehn Euro habe ich alles gehört. Drei Euro habe ich bezahlt. Gerüchteweise habe ich gehört, dass die Registrierung kostenlos sei und der zu zahlende Betrag ein Trinkgeld an die Beamten für die Bearbeitung.
Grenze Azerbaijan
Die Georgier wünschen dem Reisenden „viel Glück“ bei der Einreise nach Azerbaijan.
Zement?
Azerbaijan ist ein erstaunliches Land. Hier gibt es deutlich mehr Individualverkehr auf den Straßen als in Georgien oder der Türkei. Busse sind längst nicht so zahlreich. Der Zustand der Autos sieht sehr gut aus. Die Autos sind alle (ALLE!) frisch geputzt und haben keine Beulen oder fehlende Teile, wie es in Georgien der Fall war. Die eine Hälfte der Autos sind alte Lada. Die andere Hälfte der Autos sind große Neuwagen, die vor allem groß sind ohne einen Zusatznutzen zu bringen (SUV).
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Die Landschaft hat mich sehr überrascht. (Route) Ich dachte, dass ich durch eine große, flache Wiese von Georgien ans Kaspische Meer radeln werde. Tatsächlich fuhr ich zunächst durch eine entsprechende Wiese, diese in Richtung Sheki langsam karger wird. Die Landschaft ist von großen Geröllhalden durchzogen, welche sich wahrscheinlich im Frühling in reißende Ströme verwandeln.
12%
Ab Sheki wurde es bergig. Es entwickelte sich zu einem richtigem Mittelgebirge mit gnadenlos steilen Straßen. Die Azerbaijaner kennen nur ein Steigungsschild und auf dem steht 12%. Ich hatte fast den Eindruck, dass zur Not die Straße extra steil gebaut wird, damit Steigung und Straßenschild zusammen passen. Zunächst fuhr ich durch einen Laubwald. Richtung Baku nahm die Vegetation immer weiter ab. Es wurde wüsten-ähnlich.
Wüste
Die Azerbaijaner sind sehr saubere Menschen bzw. das äußere Erscheinungsbild zählt sehr viel. Ihre Schuhe sind immer Blitz sauber, obwohl ich noch keinen Schuhputzer gesehen habe. Ihre Schuhe sind sogar dann sauber, wenn sie mit dem Esel über einen Acker reiten. Die gründlich geputzten Autos habe ich schon erwähnt.
Sheki
Zu den ersten fünf Fragen in den meisten Gesprächen, nachdem geklärt wurde, woher ich komme, wohin ich fahre und wo ich schlafe, gehört in Azerbaijan auch, wo ich mich wasche, das hat in den Ländern vorher niemanden interessiert.
Sheki
Nicht nur die Menschen auch das ganze Land sieht repräsentativ aus. Die Hauptstraßen sind in einem guten Zustand. In Städten sind sie häufig von Blümenbeeten gesäumt, die Ladenfront längs der Straße ist frisch gestrichen oder neu errichtet. Es gibt in Städten einen Fahnenplatz mit repräsentativen Gebäuden. Außerdem liegt kein Müll herum. Seit Italien ist Azerbaijan das erste Land, dass Mülltonnen pro Haus hat und keine Straßenmülltonen. Die Sauberkeit der Natur erinnert an die Schweiz.
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Meine Idee zu den sauberen Schuhen ist folgende:
Wer saubere Schuhe hat, zeigt traditionell, dass er nicht auf dem Feld arbeiten muss, sondern zur besseren Gesellschaft gehört. In vielen Ländern gilt das Zeigen der Schuhsohle als starke Beleidigung. Das Werfen von Schuhen übertrifft dieses natürlich. Ebenso gibt es viele Länder in denen vor dem Betreten von Wohnungen die Schuhe ausgezogen werden, gleiches gilt für Moscheen.
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Die Menschen sind sehr gastfreundlich. Viele rufen „Hello, Hello“. Mehr Englisch können sie leider nicht. An fast jedem zweiten Obststand bekomme ich Obst geschenkt. Neben Äpfeln gibt es hier Granatäpfel und Kara? (leider habe ich den Namen vergessen, es sieht aus wie ein Pfirsich, es hat nur keinen Stein sondern ein paar Kerne in der Mitte. Es ist knallrot, wenn es reif ist und gibt es überall. Es schmeckt mir nicht besonders.) Granatäpfel finde ich echt super.
Selbst die Autofahrer sind nett und sehr zurückhaltend. Wenn sie vor lauter gucken nicht das Autofahren vergessen, überholen sie in einem weiten Bogen. Der Verkehr in Azerbaijan ist, nach dem ich Georgien überlebt habe, eine echte Entspannung.
Entlang der Straßen verkauft jedes Dorf ein anderes Produkt. So gibt es in einem Dorf circa zehn Stände, an denen die gleiche Sorte Brot verkauft wird. Im nächsten Dorf verkauft dann jeder Dorfbewohner die gleichen Gemüsesorten. Wiederum ein Dorf weiter gibt es lebende Hühner zu kaufen, und so weiter.
Schaf zu verkaufen
In einem Dorf habe ich die Auswahl zwischen fünf Läden, in denen Schaf verkauft wird.
Auf dem nächsten Pass gibt es dann zehn Obststände mit identischem Angebot. So wirklich ist die Marktwirtschaft noch nicht in die ländlichen Regionen vorgedrungen.
Kuh zu verkaufen
Neben den Straßenständen werden auch in einigen Häusern waren verkauft. Häufig ist es ganz einfach, liegt ein Kuhkopf vor der Tür, gibt es Kuh. Hängt ein Schweinekopf am Haus, gibt es Schwein.
 
Außerdem gibt es immer wieder an der Straße teuer aussehende Restaurants und Hotels. Ich habe nicht nach Preisen gefragt, da sie schon von außen unerschwinglich aussehen. Viele neue SUV stehen davor. Das eine oder andere Etablissement wird perspektivisch für Baku 2015 errichtet worden sein.
 
In Gesprächen wird immer wieder auf mein Fahrrad und dann auf mich gezeigt und es mit „nada dengi“ (rus: kein Geld) kommentiert. Im ländlichen Azerbaijan wird nicht viel Fahrrad gefahren und es schadet sicher nicht, wenn mein Gegenüber meinen Drahtesel nicht mit einem Goldesel verwechselt.
 
Ich habe den Eindruck, dass es arme und reiche Menschen gibt. Die Lada-Fahrer (es ist erstaunlich was man alles auf dem Dach eines Ladas transportieren kann) und die SUV-Fahrer. Die in die teuer aussehenden Restaurant gehen und, die die jedem vorbeifahrendem Auto einen kleine Plastiktüte voll Nüsse entgegenhalten und es anflehen sie zu kaufen, die die erzählen das sie 100€ im Monat verdienen und, die die sagen das 10€ nicht viel Geld ist.

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