Weitere Geschichten aus der Türkei

alter Friedhof
Als ich aus Göreme aufbrach, war ich noch ziemlich geschwächt, wie ich schnell feststellte. Dazu gesellte sich ein eiskalter Gegenwind und Frost in der Nacht. Meine erste Nacht unter Null überstand ich heil. Mit meinem Schlafsack bin ich aus dieser Sicht sehr zufrieden.
Zeltplatz
Viele türkische Dörfer haben Ähnlichkeiten mit Elbonia. Die Straßen bestehen aus brauner Erde, die Felder bestehen aus brauner Erde und die Wände der Häuser bestehen aus brauner Erde. Alles ist braune Erde. Es gibt nichts anderes als braune Erde. (Um hier mal eine meiner Lieblingsfernsehserien zu verlinken).
Zelten in den Dörfern ist keine besondere Freude, da hinterher an allem Erde klebt.
flaches Land
Die Menschen in der Türkei sind sehr nett aber auch in keiner Weise zurückhaltend. Da fahre ich entspannt eine kleine Straße zwischen zwei Dörfern, taucht ein Möfa mit zwei Jugendlichen auf. Sie reduzieren ihre Geschwindigkeit, fahren neben mir, deuten auf mich und sagen: „Euro, Euro!“ und „Money, Money!“. Ich bin verwirrt und frage was sie wollen, die beiden deuten weiter auf mich: Euro, Euro!“ Wollen sie wissen was mein Fahrrad kostet? (eine häufig gestellte Frage) Wie viel Geld ich dabei hab? Ob ich ihnen Euros gebe? Wollen sie mich von der Straße abdrängen? Ist das ein Überfallversuch? Ich werde es nie erfahren, irgendwann geben sie es auf und fahren von dannen. Ich bleibe etwas erleichtert und verwirrt zurück.
Schwarzes Meer
Ich kam am Abend in Sinop an. Endlich am Schwarzen Meer! Im Internet hatte ich von einem Campingplatz gelesen. Als ich dort ankam, lag er dunkel und verlassen vor mir. Ich wählte die Telefonnummer, die am Tor hing und der Besitzer erzählte mir, dass die Saison vorbei sein, die letzten Gäste vor einer Woche abgereist waren, er jedoch werde kommen, das Tor aufsperren, Wasser und Licht anstellen. Ich solle nur 10 Minuten warten. So verbrachte ich zwei Tage in Sinop auf einem leeren Campingplatz.
Kloster Sumela
Die Berge am Schwarzen Meer sind Grün. Das ewige Braun in Braun hatte ein Ende.

Von Sinop bin ich mit dem Nachtbus nach Trabzon gefahren. Die ersten zwei Stunden waren bloß zwei weitere Gäste im Bus. Mitten in der Nacht hielt der Bus in einem kleinen Dorf und die beiden Fahrer (und ein weitere Mann, der am Telefon übersetzte) erklärten mir, das ich zu viel Gepäck hätte und wegen über Gepäck 20$ (US-Dollar) zuzahlen hätte oder die Fahrt für mich hier zu Ende sei. Beim Ticketkauf hatte ich extra lang und breit erklärt, dass ich viel Gepäck und ein Fahrrad hätte. Ich habe auch kein Problem mit einem extra Gepäckzuschlag, es ist ja viel Gepäck, jedoch dass mich die Fahrer mitten in der Nacht wecken und US-Dollar verlangen, fühlt sich schon stark wie Weglagerei und Schmiergeld an.
Fischmarkt Trabzon
In Trabzon ging ich zum iranischen Konsulat. Wie erwartet ging es sehr schnell (innerhalb eines Tages) und problemlos. Für eine entspannte Visaabwicklung ist das Konsulat in Trabzon bekannt. Da der Herbst und Winter unaufhaltsam näher rückten, dachte ich ernsthaft darüber nach mit dem Bus nach Van zu fahren und von dort den Zug nach Teheran zu nehmen. Jedoch war das Opferfest gerade zu Ende gegangen und alle Busse für mehr als eine Woche ausgebucht. Neben meinen schlechten Erfahrungen bei meiner letzten Busfahrt, führte das dazu, dass ich diese Route in den nächsten Wochen in Angriff nehmen werde.
Die ausgebuchten Busse waren nicht nur für mich ein Problem, sondern auch für eine größere Zahl von Backpackern, die in Trabzon strandeten. Die Bezeichnung „Trab Zone“ machte die Runde.
Bis auf das Busproblem habe ich nicht viel vom Opferfest mit bekommen, im Straßenbild war für mich kein Unterschied zu erkennen. Alle Läden (bis auf Banken) haten wie gewohnt auf, alle Menschen gehen ihren Tätigkeiten nach. Ein Ladenbesitzer hat mir ein Stück von seiner Milka-Schokolade geschenkt, die er zum Fest geschenkt bekommen hatte. Auf der Schokoladenpackung stand in Deutsch „Frohes Fest“.
Kloster Sumela
Manchmal ist es erstaunlich, wo man in der Türkei alles campen darf. An meinem letzten Abend aß ich in Hopa Abendbrot. Eine Gruppe junger Männer am Nachbartisch winkte mich zu sich, und bat mir einen Stuhl an ihrem Tisch an. Nach dem Essen fragten sie mich, ob ich mit ihnen in cafe gehen und Karten spielen wollte. Ich war zunächst sehr unschlüssig, denn ich hatte noch keinen Schlafplatz für die Nacht und die Dämmerung war schon weit fortgeschritten. Ich fragte sie, ob sie einen Platz für mein Zelt wüsten und sie sagten, dass es mehrere Kilometer nördlich der Stadt einen Strand gäbe, an dem ich zelten könnte. Sie boten am mich Abends vom Cafe aus dorthin zu fahren. Gesagt getan. Nach einem sehr entspannten Abend, luden wir mein Rad auf einen Pickup und fuhren los. Während der Fahrt überlegten sie, dass es am Strand wohl gefährlich sein konnte, da dort niemand sei und ob es nicht besser wäre direkt an die Grenze zu fahren. Dort angekommen deuteten sie auf ein Stück Rasen direkt am Grenzzaun und sagten mir, dass ich dort mein Zelt aufstellen könnte. Ich war sehr skeptisch, vor meinem innerem Auge spielte sich eine Szene. Ich werde nachdem sie weggefahren sind, von der Polizei aus meinem Zelt geholt, muss die Nacht über wartend an der Grenze verbringen oder im dunklen zusammenpacken und einen neuen Zeltplatz suchen. Also bestand ich darauf die Polizei zu fragen, ob ich wirklich dort zelten dürfe. Wir fanden einige Polizisten beim Mitternachtssnack an einer Dönerbude. Und sie bestätigten mir, aus meiner Sicht das unfassbare, wenn ich wollte, könne ich dort zelten. Auf dem Bild ist der weiße Turm das georgische Grenzgebäude, davor rechts die türkischen Gebäude)
Grenze
Vor mehreren Wochen habe ich über die Politik von Erdogan geschrieben. Inzwischen habe ich mit verschiedenen Menschen darüber gesprochen und zu dem Schluss gekommen, dass Erdogan schon wegen der neuen Straßen gewählt wird. Es benötigt das hierdurch initiierte Wirtschaftswachstum nicht zwingend. Durch die Straßen entsteht für jeden Menschen sichtbar Fortschritt und wenn selbst das kleinste Dorf durch eine vierspurige Straße angebunden ist, können die anderen Verheißungen nicht mehr fern sein.
Ich würde sogar soweit gehen, dass wenn wir in Deutschland einen Politiker hätten, der in diesem Maßstab und für jeden sichtbar, Deutschland in Richtung Zukunft bewegte, würde er immer wieder gewählt. Doch dafür bräuchten wir in Deutschland erst einmal ein Zukunftsideal, eine Idee wohin sich unser Land entwickeln soll. Oder leben wir am Ende der Geschichte?
Ein Tal aus Straße
Teilweise ist es erschreckend welche Flächen durch den Straßenbau zerstört werden. So ist dieses Tal ein schmaler grüner Streifen in der braunen Landschaft. Durch die Straße ist das halbe Tal zu betoniert.
Straßen
So wird dann die Kuh zu grasen zwischen die beiden Mittelleitplanken angebunden.

Ich empfinde die Turkei als sehr spannendes Reiseland. In meinen Augen gibt es hier zwei konkurrierende Gesellschaftsmodelle, einer das traditionelle Islamische und andererseits die westliche Konsumgesellschaft. Ich glaube jeder Türke trägt Teile beider Gesellschaftsmodelle in sich und muss sich zwischen beiden Extremen positionieren, bzw. wird durch sein Umfeld positioniert.
Bildlich sieht die Situation dann so aus, dass mir ein Schafhirte auf seinem Esel mit dem Smartphone in der Hand freudig zu winkt.
Dazu gesellt sich ein Präsident, welcher einerseits aus dem traditionellen Lager stammt aber andererseits die wirtschaftliche Entwicklung massiv vorantreibt. In aller Regel geht wirtschaftliche Entwicklung mit einer Verwestlichung einher. Ich bin gespannt wie sich die Türkei in den nächsten Jahren entwickeln wird.
Cay
Zu den besten Dingen in der Türkei gehört der Cay. Ich hoffe die Teekultur geht nicht durch die Entwicklung in den nächsten Jahren unter.
Starke Männer
Somit verlasse ich, dass Land der zwei starken Männer. Ich werde bestimmt wieder kommen.
Güle Güle
Güle ,Güle!

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