Erdogan

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Heute wurde ich zur Tee eingeladen.
Mir wurde erzählt, das Erdogan gut für die Türkei sein. Vor 15 Jahren als mein Gesprächspartner in der Türkei sein Ferienhaus kaufte, war verglichen zu heute Anarchie. Die Türkei hat ca. 7% Wirtschaftswachstum pro Jahr. Erdogan baut Straßen, Brücken und Tunnel. Zum Beispiel wird eine Autobahn von Istanbul nach Izmir zusätzlich zur Vierspurigen Straße gebaut. Oder in Istanbul wird gerade der größte Flughafen der Welt gebaut, welcher hauptsächlich eine Konkurrenz zu Frankfurt ist (ein Grund für das Zerwürfnis zwischen deutscher und türkischer Politik).
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Dies möchte ich nutzen, kurz auf die türkische Politik einzugehen. Als Atakürk nach dem Ersten Weltkrieg die moderne Türkei gründete, orientierte er sich stark an Europa. So wurde Staat und Religion stark voneinander getrennt (Laizismus) und die Demokratie eingeführt. Da Atakürk die Griechen, Engländer und Italiener 1920 besiegt hatte, bildete das Militär das Rückrad seiner Bewegung. Das Militär stützt in der Türkei die Demokratie, immer wenn es zu undemokratisch (in den Augen des Militärs) wird, gibt es einen Putsch und die Demokratie wird wiederhergestellt.
Konya
Die andere Partei in der Türkei ist deutlich religiöser. Sie stellt aktuell den Präsident (Erdogan) und den Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu. Bei der letzten Wahl erhielt Erdogan 47%. Primär wird Erdogan wegen der oben genannten Gründe gewählt.
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Als ich das mit den vielen Bauvorhaben hörte, wurde ich hellhörig. Wirtschaftswachstum (in BIP gemessen) geht ganz einfach. Der Staat investiert in Straßen, Brücken usw. Dadurch verdienen die Menschen im Baugewerbe mehr Geld, dass sie dann ausgeben und so weitere Menschen profitieren lassen. Damit die Auswirkungen einer solchen Wirtschaftswachstumsförderung größer ausfallen, kann der Staat auch die privaten Haushalte animieren, ebenfalls zu investieren (z.B. Eigenheimzulage). Außerdem kann der Staat auch Kredite der Banken fordern, die die Investitionen der privaten Haushalte ermöglichen.
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Und die Blase platzt…
Das Problem mit dieser Art von Wirtschaftswachstum ist, dass Infrastruktur geschaffen wird, die nicht genutzt wird und damit sich nicht amortisiert (siehe Autobahn Istanbul – Izmir). Der Staat hat zwei Wege diese Art von Wirtschaftswachstum zu finanzieren. Einerseits durch Kredit, die Türkei ist jetzt schon einer der größten Schuldner beim IWF, und andererseits durch höhere Steuereinnahmen, die sich hoffentlich durch das allgemeine Wirtschaftswachstum einstellen werden. Wenn jedoch das Wirtschaftswachstum nur aus der gebauten Infrastruktur besteht, dann werden nicht höhere Steuereinnahmen erzielt, die wiederum die Infrastrukturprojekte finanziert.
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Wenn der Staat seine Infrastrukturinvestitionen reduziert, dann verdienen die Menschen im Baugewerbe weniger Geld. Auch die Menschen in anderen Bewerben verdienen weniger Geld, da die Menschen im Baugewerbe weniger Geld haben und ausgeben. So sinken die Steuereinnahmen des Staates sogar. Außerdem kann es dazu kommen, dass die Menschen ihre Kredite weniger gut zurückzahlen können. Und die Negativen Wechselwirkungen setzen sich fort…
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Jetzt kann man natürlich spekulieren, das Erdogan dann nicht mehr wiedergewählt wird. Es kann auch sein, dass er die Zeichen der Zeit richtig erkennt und vorher Abtritt und somit zum Volksheld wird. Oder er entledigt sich der Kemalisten im Militär, nimmt es mit der Demokratie nicht so genau und baut den Sicherheitsapparat für schlechte Zeiten auf.

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2 Kommentare zu “Erdogan

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